Wallfahrt und Reformation

eine tschechisch – deutsche Tagung zu Veränderung religiöser Praxis in den Umbrüchen der Frühen Neuzeit
29.September bis 2. Oktober 2005
in Heilbad Heiligenstadt / Eichsfeld

unter der Schirmherrschaft des Bischofs von Erfurt, Dr. Joachim Wanke,
veranstaltet von der Theologischen Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin im Verbund mit dem Institut für Historische Hilfswissenschaften der Karlsuniversität Prag, dem Eichsfeldforum und dem Stadtarchiv Heilbad Heiligenstadt
mit freundlicher Unterstützung der Gerda-Henkel-Stiftung

Die hussitische Revolution in Böhmen und die deutsche Reformation waren Ereignisse, in denen sich auch eine radikale Kritik an der bestehenden Praxis alltäglicher Frömmigkeit artikulierte. Zu den in beiden Fällen in grundsätzlicher Weise betroffenen Praktiken gehörten die Wallfahrten. Nach einer überkommenen Sichtweise waren eine kirchenamtlich und theologisch unkontrollierte Konjunktur des „Laufens“ zu immer neuen Gnadenorten in Nah und Fern ein klares Indiz für die Reformbedürftigkeit der Kirche am Vorabend der beiden historischen Ereignisse in Böhmen und in den deutschen Landen. Durch die Tagung soll diese Krisentheorie überprüft und gegebenenfalls revidiert werden. Ebenso soll das pauschale Urteil, mit der Reformation beziehungsweise der hussitischen Revolution sei in den von diesen Bewegungen erfassten Gebieten das Ende der Wallfahrten gekommen, einer differenzierten Analyse unterzogen werden, bei der exemplarisch die zeitlichen Abläufe, die Akteure und Motive in den Blick genommen werden sollen. Schließlich werden auch die längerfristigen Folgen der beiden Umbrüche im Hinblick auf die Kritik an und die Praxis von Wallfahrten eine Rolle spielen, das heißt die Funktion von erneuerten Wallfahrten oder Wallfahrtskritik für die Identitätsbildung von Konfessionen und die Abgrenzung zu andersgläubigen Gruppen. Es steht eine Diskussion zu erwarten, die Richtungsangaben für ein neues Verständnis des Phänomens Wallfahrt wie auch der religiösen Alltagspraxis insgesamt vor, während und nach den Umbrüchen der hussitischen Revolution und der deutschen Reformation aufzeigen wird.

Die Tagung ist als vertiefende Weiterführung der internationalen Konferenz „Wallfahrt in der europäischen Kultur“ in Pribram, 26.-29. Mai 2004, angelegt.

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

  • Prof. Dr. Marie Bláhová (Karlsuniversität Prag)
  • Dr. Christophe Duhamelle (Mission historique francais en Allemangne, Göttingen)
  • Dr. Ota Halama (Karlsuniversität Prag)
  • Dr. Petr Hlaváček (Historisches Institut der Akademie der Wissenschaften Prag - GWZO Leipzig)
  • Mgr. Jan Hrdina (Zentrum für Wissenschaftsgeschichte, Prag)
  • Dr. Hartmut Kühne (Humboldt-Universität zu Berlin)
  • Dr. Jiří Mikulec (Historisches Institut der Akademie der Wissenschaften Prag)
  • Dr. Johannes Mötsch (Staatsarchiv Meiningen)
  • Thomas T. Müller M.A. (Stadtarchiv Heilbad Heiligenstadt)
  • PD Dr. Hana Pátková (Karlsuniversität Prag)
  • Hilde Rosenbauer (Göttingen)
  • Prof. Dr. Gabriela Signori (Universität Münster)
  • PD Dr. Ulmann Weiss (Universität Erfurt)
  • Prof. Dr. Wilhelm Winterhager (Universität Marburg)
  • Dr. Blanka Zilynská (Karlsuniversität Prag)