Zur Geschichte des Eichsfeldes – ein Überblick

von Thomas T. Müller, Leiter des Stadtarchivs Heilbad Heiligenstadt

Schon in der Steinzeit wurde die Region, die sich zwischen dem Werratal und dem Harz erstreckt, von Menschen aufgesucht, die sich zum Teil auch für längere Zeit hier niederließen. Eine systematische Besiedlung begann jedoch in den meisten Fällen erst viele Jahrhunderte später. Nach dem heutigen Forschungsstand werden im Eichsfeld drei Hauptsiedlungsperioden unterschieden. Die erste erstreckte sich bis zum Jahr 531, also dem Zeitpunkt, als die Franken gemeinsam mit den Sachsen in der Schlacht an der Unstrut über die Thüringer siegten und damit die Möglichkeit für ihr weiteres Vordringen in diese Region schufen. Die Franken trieben vor allem die Besiedlung der von ihnen eroberten Gebiete voran. Auch im Eichsfeld wurde ein sehr großer Teil der heute noch bestehenden Orte in der Zeit der fränkischen Herrschaft (2. Periode), die bis etwa um 900 reichte, gegründet. Die dritte und letzte Siedlungsperiode dauerte von 900 bis etwa um 1300.

Das Eichsfeld selbst trat im Jahr 897 durch eine Urkunde des Kaisers Arnulf von Kärnten, in der der Name „eichesfelden” erstmals genannt wurde, ins Licht der Geschichte ein. Die Historie des Landstriches, der heute den Landkreis Eichsfeld und Teile der Landkreise Unstrut-Hainich, Göttingen und Werra-Meißner umfaßt, ist auf das engste mit der Geschichte der Mainzer Kurfürsten und Erzbischöfe verbunden. Diese übten nahezu 1000 Jahre lang die politische und geistliche Macht über ihre eichsfeldische Exklave aus. Dabei suchten die geistlichen Kurfürsten von Mainz ihre Besitzungen, zu denen schon sehr früh die Stadt Heiligenstadt gehörte, immer weiter auszubauen. So erwarb beispielsweise im Jahr 1294 Erzbischof Gerhard II. von Mainz die Schlösser Gleichenstein, Scharfenstein und Birkenstein von Heinrich IV. von Gleichenstein, der aufgrund finanzieller Problemen seine eichsfeldischen Besitzungen veräußern mußte. Der Begriff „Eichsfeld” wurde dann von den Erzbischöfen auch für die neuen Besitzungen gebraucht, so daß sich das Eichsfeld mehr und mehr bis zu seiner heutigen Gestalt ausdehnte.

Schwere Verwüstungen erlebte die Region während des Bauernkrieges und dann insbesondere in der Zeit zwischen 1618 und 1648, als der Dreißigjährige Krieg auch das Eichsfeld heimsuchte.

Die Mainzer Herrschaft endete im Jahr 1802. Im Zuge des Luneviller Friedens wurde das Kurfürstentum Mainz aufgelöst, und das Eichsfeld kam zu Preußen. Aber vorerst verblieben die Eichsfelder nicht lange unter der preußischen Krone. Infolge des französischen Sieges in der Schlacht bei Jena und Auerstedt okkupierte Kaiser Napoleon 1807 zahlreiche preußische Besitzungen, darunter auch das Eichsfeld. Am 18. August dieses Jahres wurde das „Fürstenthum Eichsfeld” per kaiserlichem Dekret dem neu errichteten Königreich Westphalen zugeschlagen. Nachdem Napoleon besiegt worden war, änderte sich die politische Lage erneut und das Eichsfeld wurde 1815 geteilt. Das Untereichsfeld um Duderstadt kam zum Königreich Hannover und das Obereichsfeld wieder an Preußen.

Die so entstandenen Landesgrenzen wurden 1945 bei der Teilung Deutschlands in Besatzungszonen für das Eichsfeld wieder aufgegriffen. Die einstige Grenze zwischen den eichsfeldischen Teilen der Königreiche Preußen und Hannover wurde zur Staatsgrenze, die bis 1989 nicht nur die Eichsfelder in Ost und West trennte.